Cala meint
Schreibe einen Kommentar

Rückblick Bretagne 2022, 1. Etappe, Tag 1-3, Paris, Plurien, Rennes und Forêt de la Brocaillande

In den nächsten Wochen werde ich hier unseren  Sommerurlaub in der Bretagne ein bisschen aufbereiten, nehme euch mit an viele schöne Orte und teile mit euch, was wir erlebt haben.

Starten wir also mit den ersten  Etappen.

28.07.2022 – 29.07.2022 Rodgau – Paris, Paris – Plurien

Start um Mitternacht, wir kommen sehr gut durch, die Hunde schlafen friedlich, Paris erreichen wir um 6 Uhr früh und parken am Gare de Lion.

Der Versuch, in  Paris zu wiederholen, was wir vor Jahren in Florenz erlebt haben  (das einzigartige Erlebnis, eine pulsierende Touristenmetropole in den frühen Morgenstunden völlig entspannt und mit einzigartigem Zauber zu erleben), erweist sich als schwierig: Paris erwischen wir in einer Ecke, die frühmorgens extrem unattraktiv ist, nirgendwo findet sich ein gescheites Café und den Marktbeschickern beim Aufbauen zuzusehen, führt auch nur dazu, dass der als besonders attraktiv geltende Marché d’Aligre am Place d’Alligre uns ob der sehr zweifelhaften hygienischen Verhältnisse und dem wenig einladenden Umgang mit den Lebensmitteln (bis auf ein paar Ausnahmen) überhaupt nicht zum Einkaufen einlädt.

Hungrig und voller Erwartung harren wir aus, bis die die ersten Bäcker und endlich auch die Markthallen am Place d’Alligre öffnen – wir hätten getrost eine Stunde länger schlafen und später losfahren können, wir hätten überhaupt nichts verpasst.

Die kleine Markthalle erweist sich dann allerdings als wahre Schatztruhe und wir kaufen Käse, Butter und frische Pasta fürs Abendessen.

Adresse:
Place d’Alligre, 12. Bezirk, die Markthallen öffnen ab 9 Uhr (sonntags und montags laut meinen Recherchen geschlossen).

Bevor wir weiterfahren machen wir Station im Café „Dreamin Man“, das Boris über Instagram entdeckt hat. Hier herrscht abseits vom Touristenprogramm ein wunderbare, kosmopolitische Atmosphäre mit durchweg sympathischem Publikum unterschiedlichster Nationen und Sprachen und hier bekommen wir auch endlichen einen guten Kaffee.

Adresse: 140 Rue Amelot, keine Website, Instagram dreaminman_paris

Fazit und erstes Learning:
Paris ist nicht Florenz, Erfahrungen sind Erfahrungen und Zufälle nicht planbar. Aber alles gut.

Die Weiterfahrt von Paris nach Plurien über die Landstraße entpuppt sich als sehr viel anstrengender als gedacht – es zieht sich wie Kaugummi und die Landschaft ist alles andere als einladend. Die Vorstellung, dass wir zwischendurch immer wieder in netten Dörfern rasten, Kaffee trinken und eine Kleinigkeit essen können, erweist sich als völlig illusorisch – anderes als Fernfahrerkneipen und Schnellimbisse entdecken wir nicht. Und die vielfach beschworenen dickköpfigen Landwirte, die mit schwerem Gerät die Straße blockieren ohne jemals rechts ran zu fahren  („Der Schrecken der Bretonischen Landstraßen – Traktoren – die mitunter von besonders sturen Bauern gefahren wurden“*), haben wir auch mehrfach vor uns gehabt. Essen gab’s dann im Auto auf dem Parkplatz eines Bioladens – Baguette, Käse und ein paar Oliven. Richtig schön wird es erst kurz vor unserem Ziel und da sind wir schon total „durch“ und wollen nur noch ankommen.

Fazit und zweites Learning:
Die Mautgebühr für die Strecke Paris-Rennes ist ziemlich sicher eine gute Investition und Etappenziele sollte man besser vorher definieren.

*Zitat aus Jean-Luc Bannalec, „Bretonische Nächte“: “

29.07.2022 – Plurien 


Plurien, Marktplatz

Plurien empfängt uns mit einen wunderschönen Wochenmarkt (immer freitags vormittags auf dem Platz vor der Kirche) und ganz tollen Produkten (die besten Erdbeeren, die wir je gegessen haben, einer wunderbare Crème Fraiche einer kleinen Ferme, frischen Austern, wunderbarem Fisch…) und wir decken uns erst mal fürs Frühstück und das Abendessen ein.

Zwischendurch gibt’s einen Kaffee und eine Crêpe in der Bar des Dorfes. Sie gehört zur örtlichen Charcuterie (Adresse unten) und Boris hat sie schon im Vorfeld ausfindig gemacht – hier wird alles verkauft, was man so braucht, auch wunderbare hausgemachte Patés. Ein frisches Baguette bekommt man hier ebenfalls jeden Tag. Was wir auch gleich probieren, weil es so exotisch klingt, dass wir’s hinter uns haben wollen, ist die „Galette-Saucisse“, eine Grillwurst, die in eine Galette eingewickelt wird. Sie entpuppt sich als besonders lecker – wir mögen sie sehr und bedauern es später, dass sie nur an Markttagen angeboten wird.

Café und Charcuterie sind in fester Hand der Familie Hennef  – ein Schild vorm Haus zeigt alle Familienmitglieder und erläutert die Verwandtschaftsverhältnisse, so dass man im Bilde ist, wer wo das Sagen hat – sehr praktisch…

Adresse:
Boucherie, Charcuterie Artisanale, Bar „Le Tue-Mouche“, Placee de l’Eglise, 22240 Plurien, Tel. 0296721760
unbedingt probieren:
Galette Saucisse (immer samstags), hausgemachte Salami, Schinken und Pates.

Fazit und drittes Learning:
Oft ist es dort am schönsten, wo man es am wenigsten erwartet. 

30.07.2022 – Rennes, Wochenmarkt und kurzer Bummel zur Kathedrale

Um 7:15 Uhr, wir sind endlich startklar für unsere Tour nach Rennes. Der Hund unserer Vermieterin verabschiedet uns und schaut uns so traurig hinterher, dass ich ihn am liebsten mitnehmen würde, während unsere beiden augenscheinlich überhaupt keine Lust auf einen Ausflug haben.

Trotz der frühen Uhrzeit sind wir „eigentlich“ ein bisschen zu spät, denn die Fahrt (rund 100 km) erstaunliche anderthalb Stunden dauern  und – wie wir gestern nachgelesen haben – ist der Markt sowohl bei Einheimischen als auch bei Touristen extrem beliebt. Naja, wir lassen uns überraschen.

Es dauert eine halbe Stunde bis wir auf der „Vierspurigen“, der N12 in Richtung Rennes sind und damit wird uns auch klar, wie die lange Fahrzeit zu Stande kommt – die Überlandfahrten sind einfach ein Zeitfresser.

Wir erreichen den Marktplatz in Rennes um 8:40 Uhr und stellen erfreut fest, dass es ein Parkhaus direkt am Markt  gibt, das mit 1,60 € die Stunde auch überraschend günstig ist – perfekt für einen ausgedehnten Marktbesuch. Dank Tiefkühltruhe in unserem Ferienhäuschen und Kühlbox im Auto  sind wir bestens ausgerüstet.

Der erste Blick fällt auf die riesigen Fischstände und wir kaufen begeistert ein, was sich auch als sinnvoll erweist, denn wir stellen später fest, dass die Fischstände als erste ausverkauft sind (ab ca. 11 Uhr gibt es dort nur noch „Reste“).

Dann schlendern wir durch die beiden Markthallen (Hunde sind kein Problem) und sind vollkommen absorbiert von dem gigantischen Angebot. (Bio-)Fleisch, Käse, Geflügel, Eier, Brot, Gebäck, Honig, Butter – Köstlichkeiten wohin das Auge blickt… Und obwohl ich weiß, dass wir in St. Malo nochmal im „Maison du Sarrasin“ einkaufen werden, nehme ich auch diverse Buchweizenmehle mit – ich möchte sie einfach ausprobieren, weil ich neugierig bin auf die Geschmacksunterschiede und wir lieben nunmal Buchweizengalette, die es nun wahrscheinlich dreimal die Woche geben wird…

Ab ca. 10 Uhr füllt sich der Markt immer mehr, was meine Laune sehr trübt, denn man steht  den interessanten Ständen wirklich lange an. Da wir noch Gemüse brauchen, hat das zur Folge, dass Boris stundenlang mit den Hunden im Schatten steht und auf mich warten muss, außerdem habe ich die Nase dann wirklich gestrichen voll, bin gereizt und meckere nur noch… Morgens brauche ich einfach meinen Kaffee und werde komisch, wenn ich nichts zu essen  bekommen und so machen wir uns auf, ein Café zu suchen.

Gleich neben der Kathedrale finden wir eines, das zwar nicht ganz günstig ist, aber sehr nett (auch die Speisen von der Tageskarte sind zu empfehlen!). Und da wir hier gut und schön mit den Hunden im Schatten sitzen, können wir nacheinander die wunderschöne Kathedrale anschauen – perfekt…

Adresse: Bistro Cocagne, 12 Rue des Dames

Fazit und viertes Learning:
Der Wochenmarkt in Rennes lohnt sich unbedingt, ist aber schnell sehr voll. Es ist sinnvoll, früh da zu sein, erst ein bisschen zu schlendern und dann aber zügig den Einkaufszettel abzuarbeiten, sonst wird es schnell stressig…  

 

Forêt de la Brocaillande

Tréhorenteuc, Forêt de la Brocaillande (Wald der Arthus-Sage): Eglise du Gral, Anschlagtafeln an der Touristeninformation vor der Kirche; hier starten auch die Gruppenführungen

Für den Nachmittag nehmen wir uns vor, einen Abstecher in den Forêt de la Brocaillande zu machen – einen nicht unerheblichen „Schlenker“, auf den ich bestanden habe, weil ich ihn – natürlich von Jean-Luc Bannalec und Kommisar Dupin inspiriert*  – unbedingt sehen wollte.

Der Umweg erweist sich nach dem langen Vormittag und angesichts des hohen Temperaturen als nicht ganz so klug. Boris hat merklich die Schnauze voll und ich will nun aber unbedingt Tréhorenteuc (knapp 50 km westlich von Rennes) und Paimpont sehen, koste es, was es wolle. Es ist heiß, die Hunde sind müde und hungrig und so richtig Spaß kommt nicht mehr auf.

Trotzdem bin ich sehr beeindruckt von der kleinen Kirche in Tréhorenteuc und auch im Nachhinein möchte ich den Ausflug dann eben doch nicht missen, auch wenn es nur ein Abstecher war und ich mich unter dem Druck der drei anderen Zwei- und Vierbeiner doch versuche zu beeilen. Und ja: hier sind wir nicht allein, viele Touristen besuchen diesen Ort, was uns mal wieder zu einer Diskussion darüber führt, ob solcher Touristenziele für uns richtig sind – ich meine schon, denn sonst verpassen wir auch Sehenswertes, Boris ist der Meinung, er könnte prima darauf verzichten.

Tréhorenteuc: Im Innern der Eglise du Gral („Sainte-Onenne“) aus dem 17. Jahrhundert – mit wunderschönen Glasfenstern und dem berühmten Mosaik mit dem weißen Hirsch. Hier finden Kommissar Dupin und seine Kollegen in „Bretonische Geheimnisse“ das uralte Manuskript, die Urquelle der Arthustexte.

Sehr gerne würde ich beim nächsten Mal sogar eine Führung in den Wald machen, die uns an die besonders interessanten Orte – z.B. das „Grab des Merlin“ und das „Haus der Fee Viviane“  führen würde. Kann man natürlich auch alles selber suchen (sagt Boris), kann man aber auch ganz einfach im Rahmen einer Führung sehen, ohne viel Planungsarbeit zu haben (die an mir hängenbleibt). Da scheiden sich bei uns also wieder die Geister, am Ende des Tage, hat Boris  (der so gar kein Gruppenmensch ist), mir aber die Zusage gemacht, dass wir’s ausprobieren werden…

Paimpont: Der mystische Waldsee der Arthus-Sage mit seinem rot-schimmernden Grund; Dupins Bar/Restaurant „Le Brecilien“, das aber leider in Wirklichkeit nicht (wie im Roman) direkt am See gelegen ist.

Schließlich fahren wir noch nach Paimpont, aber da liegen wirklich schon die Nerven blank und Boris schimpft nur noch über die Touristen (die meiner Meinung nach die gleiche Daseinsberechtigung haben, wie wir auch…). Nicht mal ein Kaffee ist mehr drin, nur eine ganz kurze Stippvisite im Ort und und ein paar Fotos am See, dann beschließen wir den Tag und fahren zurück nach Plurien (worüber ich dann selber auch ganz froh bin…).

Den Abend lassen wir mit einem leckeren Essen mit all unseren Schätzen auf der Terrasse ausklingen.

Fazit und ein weiteres Learning:
Viel wollen heißt nicht, viel erleben. Kommt immer drauf an…

*Kleine Randbemerkung zu Komissar Dupin, auf den ich im nächsten Post noch näher eingehen werde: Etwa zwei Monate vor dem Urlaub machte Boris mich auf eine Krimi-Serie von Jean-Luc-Bannalec aufmerksam, dessen Romane allesamt in der  Bretagne spielen und gespickt sind mit kulturellen Hinweisen und kulinarischen Empfehlungen. Was zu Folge hatte, dass wir wochenlang im Hörbuch-Fieber waren und dann „alles“ sehen wollten…

Wem es genauso geht, findet hier eine fantastische Website mit allen Dupin-Orten:

Im Vorbeifahren gesehen und für interessant befunden:
https://la-drosera.fr/

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.