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Lyonel Feininger – große Retrospektive in der Schirn Kunsthalle Frankfurt

Die Schirn Kunsthalle Frankfurt zeigt unter dem Titel „Lyonel Feininger“ noch bis 18. Februar 2024 eine großartige Retrospektive der Werke Feiningers.

Spezielles Thema der Ausstellung ist die Frage, wie sich Themen bei Feininger wiederholen, wo also der rote Faden in seiner Kunst ist.

Seine Gemälde sind vor allem aufgrund der außergewöhnlichen Farben, aber auch wegen seines sehr speziellen Ausdrucks berühmt. Er hat schräge Perspektiven, die zum Teil von der Realität völlig losgelöst sind. Seine Malerei ist geprägt von starker Verdichtung und einem inneren Bild, das stets einen Überwältigungseffekt anstrebt. Damit ist er ein klassischer Expressionist – das innere Bild des Künstlers zählt.

Konrad Feininger, der Enkel von Lyonel Feininger (hier vor dem Selbstportrait seines Großvaters) wird im Begleitprogramm zur Ausstellung aus Briefen seines Großvaters vorlesen.

Feiningers Interesse gilt vor allem dem Licht, der Struktur, Aufsichten, Untersichten und diversen Experimenten – zum Beispiel Fehlern, die beim Entwickeln von Fotos entstehen und die er zum Teil des Kunstwerks macht.

Auch bestimmte Themen greift er immer wieder auf. So malt er zwischen 1906 und 1955 insgesamt zehnmal die kleine Dorfkirche von Gelmeroda, die Werke sind heute über die ganze Welt verstreut. Der Schirn gelingt es, fünf Gemälde dieser Werkgruppe für die Ausstellung zusammenzuführen – auch für die Kuratoren Ingrid Pfeifer sei dieses Zusammentreffen der Werke ein überwältigender Moment gewesen, wie sie in der Pressekonferenz betont.

Feininger schuf Karikaturen, Gemälde, Zeichnungen und Fotografien. Die Ausstellung zeigt außerdem auch Holzspielzeug, das er für seine Kinder herstellte.

Feininger war er über 50 Jahre in Deutschland tätig und hat sich entsprechend mit Deutschland identifiziert. Allerdings behält er sein Leben lang die amerikanische Staatsbürgerschaft.

Er wird am 17. Juli 1871 in New York geboren. 1887 – Feininger ist 16 Jahre alt – zieht die Familie nach Deutschland, wo er an der Hamburger Gewerbeschule Zeichenunterricht nimmt. Ein Jahr später zieht er nach Berlin.

Es folgen Ausbildungen an verschiedenen Akademien, unter anderem im Collège Saint Servais in Lüttich, an die Königlichen Akademie in Berlin an der Académie Colarossi in Paris.

1901 heiratet Feininger Clara Fürst und bekommt mit ihr zwei Töchter.

1903 begegnet er der Künstlerin Julia Berg. Beide trennen sich sofort von ihren Ehepartnern, gehen zusammen nach Paris und bekommen einen Sohn. Feininger beginnt zu malen.

1908 heiraten die beiden und ziehen zurück nach Berlin. Sie bekommen zwei weitere Söhne.

1937 übersiedelt das Ehepaar aufgrund der politischen Lage in Deutschland nach New York. Die Nationalsozialisten diffamieren Feininger als „entarteten Künstler“ und beschlagnahmen 400 seiner Werke aus deutschen Museen. 19 Bilder werden in der Ausstellung „Entartete Kunst“ gezeigt.

1956 stirbt Feininger in New York.

Lyonel Feininger ist ein äußerst vielseitiger Künstler, der ein sehr großes Werk hinterlassen hat – vieles von ihm ist in der Öffentlichkeit noch völlig unbekannt. Entsprechend vielseitig ist die wunderbare Ausstellung in der Schirn für die sich ganz sicher sogar eine Reise nach Frankfurt lohnt.

Der Katalog zur Ausstellung präsentiert den neusten Stand der Feininger-Forschung.

Das kostenfreie Digitorial zur Ausstellung ist  abrufbar unter feininger.schirn.de.

(c) Carmen-Daniela Leuschen, 01.11.2023

 

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